Schönebeck l „Wie könnte diese Geschichte weitergehen?“, fragt Sad. Der Iraker, der grade eben noch kopfüber rennend die Aula des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums vor Angst verlassen hatte, steht jetzt gelassen vor den Schülern der 8. und 9. Klassen und spricht völlig akzentfrei zu den Schülern. Getuschel kommt auf. „Ist der doch gar kein Ausländer? Wie, der spricht perfekt Deutsch?“, raunen sich einige Schüler verunsichert zu.

Kein Iraker, sondern ein Deutscher

Nein, Sad ist kein Iraker, sondern Deutscher. Alexander Matakas ist Schauspieler und tourt derzeit mit dem Ein-Mann-Theaterstück „Dreck“ durch die Schulen der Bundesrepublik. Bevor er aus dem Saal gestürmt war, hatte er 50 Minuten lang den Iraker Sad dargestellt. Ein Iraker, der vor dem Krieg geflüchtet war, in Deutschland Asyl bekam und sich nun aber mit einer Realität konfrontiert sieht, mit der er nur schwer zurecht kommt.

„Ich werde immer von allen geduzt. Warum siezt mich niemand? Ich würde gerne auch mal gesiezt werden“, erzählt er da. Der einzige, der das bisher tat, war der Kartenkontrolleur in der Bahn. Und diese ständige Aggressivität, die ihm entgegengebracht wird. „Ich wusste nicht, dass wir einen Virus in uns tragen, der diese Aggressivität in euch auslöst“, sagt er überspitzt.

Aber nicht nur der Umgang der Deutschen mit ihm macht ihm zu schaffen, auch die Vorurteile, die ihm entgegen schlagen. „Ausländer essen Zwiebeln und Knoblauch, und weil sie sich nicht die Zähne putzen, stinken sie“, zählt er unter anderem auf.

50 Minuten lang beleuchtet er mit Zynismus und Sarkasmus Vorurteile, die Deutsche gegenüber Ausländern haben, ihren Umgang und das nicht wirklich zustande kommende Miteinander. Darin wechselt er zwischen Unterwürfigkeit, Verzweiflung aber auch Überheblichkeit. Kommt aber immer wieder im Stück auf eine Erkenntnis zurück: „Ich heiße Sad. Im Englischen heißt das traurig, aber ich bin nicht traurig. Ich bin einfach nur Sad.“ Auf dem Höhepunkt des Stückes resümiert er traurig: „Ich bin Sad, ich bin ein Stück Scheiße!“

Täuschend echt: Blond Schwarz gefärbt

Schauspieler Alexander Matakas ist seit September mit dem Stück Dreck in den „Schulen ohne Rassismus - Schulen mit Courage“ unterwegs. Der eigentlich blonde junge Mann, hat sich für das Stück extra Haare, Bart und Augenbrauen gefärbt, um authentisch rüberzukommen. Mit Erfolg. Alle Schüler waren nach dem Stück verwundert, dachten, ein echter Iraker würde vor ihnen stehen.

Akustisches Gepöbel fehlte am Ende

Das Stück endet eigentlich dramatisch. Über eine Soundanlage sind Gepöbel, ausländerfeindliche Parolen zu hören, die Sad flüchten lassen. Leider fehlte genau dieser akustische Einsatz, so dass das Ende etwas verpuffte. Und die Frage: „Wie könnte diese Geschichte ausgehen“, erst noch kurz erläutert werden musste.

Nichtsdestotrotz war und ist das Stück, das bereits 1991, zu Zeiten des Irak-Krieges geschrieben wurde, hoch aktuell und geht auf sehr kreative Art und Weise auf die Flüchtlingsproblematik ein.

Es gab Gesprächsbedarf bei den Schülern

„Wir haben erkannt, dass es zu diesem Thema Gesprächsbedarf bei unseren Schülern gibt. Besonders in den Fächern Sozialkunde, Religion und Ethik kam das klar heraus. Und wir sehen uns als Schule in der Verantwortung, das dann auch anzugehen“, sagt Romina Altenburg, Lehrerin am Gymnasium und erklärt damit, wie sie auf das Theaterstück kamen.

„Eine Art, ein Thema anzugehen, das schwierig ist und trotzdem von den Schülern verstanden wird.“